Kurze Antwort: Das frag ich mich auch manchmal ;)

Wo arbeitest du da? University College Dublin (suedliche Stadtseite; und “Nein”, es ist nicht das Uni-Gebaeude in der Mitte der Stadt, an der man als Tourist automatisch vorbei kommt). Ca 20min mit dem Bus, auf halber Strecke zwischen Dublin und Dun Laoghaire.

Wo genau? Im Fachbereich Physik, Schwerpunkt (sichtbare) Optik. Unsere Gruppe hat den Namen: Advanced Optical Imaging Group. (AOIG)

Und was machst du da? Was ist dein Projekt? Der Stiles-Crawford Effekt. Benannt nach seinen beiden Entdeckern (im Jahre 1933).

Bitte was? Der Stiles-Crawford Effekt beschreibt eine Abnahme der Sichtbarkeit, wenn ein einfallender Lichtstrahl sich vom Zentrum der Pupille zum Rand bewegt.

Wie meinen? Und wie misst man das? Man nimmt zwei Lichtstrahlen mit fixer Intensitaet und mit moeglichst kleinem Durchmesser (ca. 0.2mm) und strahlt die abwechselnd ins Auge. Ein Lichtstrahl dient als Referenzquelle, den Anderen laesst man schrittweise ueber die Pupille wandern und bei jedem Schritt vergleicht man die Intensitaet beider Strahlen. Da stellt man dann fest, wenn beide Strahlen am selben Ort, also in der Pupillenmitte einfallen, dass beide Strahlen die selbe Helligkeit haben. Je weiter der zweite Strahl allerdings Richtung Pupillenrand wandert, desto dunkler erscheint er, obwohl seine Intensitaet nie geaendert wurde. D.h. der Effekt hat seinen Ursprung auf der Netzhaut und seine Auspraegung ist individuell. Das ist der Stiles-Crawford Effekt. Und wenn man das Experiment ueber die ganze Pupille macht, also von Schlaefenseite zu Nasenseite, dann bekommt man als Helligkeitsverteilung eine schoene Gausskurve, die man auswerten kann.

Das ist so ganz grob erklaert.

Und was machst du da dann noch? Wir versuchen das ganze besser zu quantisieren, weil es im Moment noch viele Unsicherheitsfaktoren bei den Messungen gibt. Ausserdem ist das Ziel, das komplette Auge zu vermessen, bis jetzt messen wir nur horizontal.

Die Kombination mit kleinem einfallendem Lichtstrahl hoert sich doch sehr konstruiert an und ist situativ doch kaum im echten Leben zu finden. Fuer was soll das Nutzen?Anwendungsbereiche sind die Verbesserung von Kontakt- und Intraokularlinsen. Eine Verbesserung sollte wuenschenswerterweise zu einem erhoehten Sehvermoegen des Patienten fuehren. Weiterhin gilt ganz im Allgemeinem, dass die Arbeit das Verstaendnis ueber den menschlichen Sehapparat verbessern soll.

Kurz nur: Warum ist der Ursprung auf der Netzhaut zu suchen? Die Staebchen und Zapfen auf der Netzhaut, welche fuer das Sehen verantwortlich sind, aehneln von der Struktur her Lichtwellenleitern (z.B. Glasfasern). Wenn man da Licht direkt senkrecht einkoppelt (vgl. Pupillenmitte), dann kommt am Ende der Faser das Maximum an Intensitaet wieder raus. Je schraeger (vgl. In Richtung Pupillenrand) man allerdings einkoppelt, desto weniger Licht wird eingekoppelt, desto reduzierter wird die Intensitaet.

Was ist dein Versuchsobjekt? Unter anderem meine eigenen Augen, das rechte Auge meines Chefes und manchmal die Augen meiner Mitstreiter. Also ‘in vivo’, am lebendem Objekt.

Wirst du blind dabei? Nee. Die Leistung, die da im Auge ankommt ist verschwindend gering. Allerdings tropfe ich die Augen jedes Mal, wenn ich Messungen mache, damit die Pupille fuer ein paar Stunden komplett geweitet ist. Wie sich das auswirkt, weiss ich nicht. Bis jetzt sind uns allerdings keine bleibenden Schaeden bekannt.

 

2 Thoughts on “Was mach ich eigentlich in Dublin?

  1. Grummel Griesgram on 11. Januar 2013 at 16:47 said:

    Wird die Intensität des Lichtstrahls eigentlich elektronisch gemessen oder muss der Proband seine subjektive Wahrnehmung auf einer Skala deuten?

  2. Die Intensitaet, die der Proband misst, misst der Proband anhand von dem, was er sieht. Der Proband regelt die Helligkeit des Teststrahls per Gamepad und wenn der Proband meint, dass beide Lichtstrahlen nun gleicher Helligkeit entsprechen, drueckt er ein Knoepfchen und der Computer registriert die Einstellung des Helligkeitsfilters.

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